Fernsehsender Waldstein

Auf einer Höhe von 825 m, noch unterhalb des Waldsteingipfels, steht der über 100 m hohe Sendeturm der Deutschen Telekom. Neun armdicke Stahlseile sichern den auf dem rd. 7.000 m² großen Gelände stehenden Mast.

Die frühere Deutsche Bundespost hatte vor Jahren das Gelände vom bayerischen Staatsforst erworben und hier bis zum 25-jährigen Jubiläum im Jahr 1986 rd. 15 Millionen Mark an Geräten und Techniken investiert, die rund um die Uhr arbeiten. Die technische Ausstattung ist automatisch gesichert, lediglich zwei Techniker kontrollieren und überprüfen die Anlage.

Am 19. Mai 1961 hatte die frühere Deutsche Bundespost ihren Fernsehsender "Zell 2" am Großen Waldstein in Betrieb genommen. Damit konnte das Zweite Deutsche Fernsehen erstmals sein Programm im nordostoberfränkischen Raum ausstrahlen. Heute ist dieser Sendemast zu einer bekannten, von weitem sichtbaren Landmarke des Fichtelgebirges geworden.

Zum damaligen Zeitpunkt nutzten ZDF, BR3, Rias1 und 2, Polizei und Post den Sender.

Er diente außerdem als Funkfeststation für das Funktelefonnetz und ist Relaisstelle für die Richtfunkstrecke Bayreuth - Hof.

Die Geschichte des Senders Walstein begann mit einem Provisorium. Der erste Spatenstich für den Bau einer Holzbaracke und einer einen Kilometer langen Straße erfolgte im Oktober 1960. Im Frühjahr 1961 konnte ein 47 m hoher Stalrohrmast als Antennenträger aufgestellt werden.

Nach Einbau des Senders und Montage der Antennen nahm diese provisorische Sendeanlage im Mai 1961 ihren Betrieb mit der Abstrahlung des ZDF-Programmes auf. Die Programmzuführung erfolgte über Richtfunk. Diese erste Ausbaustufe konnte allerdings nur die Stadt Hof mit dem Fernsehprogramm versorgen. Mit dem Bau der endgültigen Sendeanlage, die zum Ziel hatte, den Versorgungsbereich auf den gesamten nordostoberfränkischen Raum auszuweiten, begann die Bundespost im Herbst 1962. Im Juni 1963 wurde mit dem Aufbau des 100 m hohen jetzigen Stahlgittermastes mit Richtfunkplattformen in 30, 35 und 60 m Höhe sowie einer größeren Sendeantenne für Rundstrahlung in 100 bis 120 m Höhe begonnen. Mit einem neuen 20-Kilowatt-Sender ging die Anlage im Dezember 1963 in Betrieb. Die Strahlungsleistung betrug 500 Kilowatt.

Seitdem versorgt der Sender das gesamte nordostbayerische Gebiet und dazu Teile der damaligen DDR und der früheren CSSR. Dort, wo durch geländebedingte Ablenkungen der Funkwellen ein direkter Empfang nicht möglich ist, werden die Signale des Senders Waldstein von Umsetzern aufgenommen, die dann mit kleineren Strahlungseinheiten diese Gebiete versorgen. Insgesamt waren es 26 Fernsehumsetzer, die der Fernsehsender am Waldstein "speiste". Ständig wurde und wird die Anlage erweitert und den neuen Entwicklungen angepasst.

Am 22. Oktober 1963 nahm am Waldstein der RIAS Hof einen Zehn-Kilowatt-Sender für das Zweite Programm in Betrieb, im Oktober 1966 wurde das jetzige Betriebsgebäude fertiggestellt. Im April 1967 übernahm die Ausstrahlung des zweiten Programms ein neuer Sender. Der nunmehr "arbeitslos" gewordene alte wurde zur Ausstrahlung des Dritten Fernsehprogramms des Bayerischen Rundfunks umgerüstet und ging dann wieder auf Sendung. Durch den Aufbau einer Fernwirkanlage konnte der Sender nun von einer Leitstelle von Nürnberg aus überwacht werden.

Dem bisherigen RIAS 2 folgte am 12. Dezember 1980 RIAS 1, der dann seit 1985 auch in Stereo zu empfangen war; auf beiden Frequenzen sendet inzwischen das "Deutschlandradio Berlin". Seit dem 18. Dezember 1992 wird auch das Programm "Radio Euroherz" und "Extra-Radio" aus Hof mit einer Leistung von fünf Kilowatt vom Waldstein abgestrahlt, die damit ihre Reichweite erheblich erweitern konnten.

Mit dem Aufbau des 1977 wieder ausgelaufenen Autotelefonnetzes A begann 1967 im Raum Hof die Zeit des "öffentlichen beweglichen Landfunkes", wie diese Art der Telekommunikation in der Fachsprache hieß. Bereits 1973 wurde das B-Netz in betrieb genommen und mit der Montage einer C-Netz-Antenne auf der Spitze des Fernsehantennen-Zylinders wurde im August 1988 gleichzeitig eine unterbrechungsfreie Turmbeleuchtung installiert. Inzwischen ist seit 1992 auch das D 1 - Netz der Telekom über den Waldstein verfügbar, Cityruf wurde 1991 aufgebaut. Daneben begann die "Funkübertragungsstelle Zell 2", wie der Waldstein-Sender offiziell heißt, seit 1968 auch als Richtfunkverteilstern zunehmend an Bedeutung, und heute laufen rd. 9.000 Sprechkanäle in Richtfunksystemen über die Station.

Im Oktober 1990 wurden darüber hinaus 600 Sprechkanäle des Fernmeldenetzes nach Chemnitz über den Waldstein geschaltet. Durch dieses auf zweieinhalb Jahre begrenzte Provisorium konnte man den Leitungsengpass in die neuen Bundesländer nach der deutschen Wiedervereinigung maßgeblich entschärfen. Die überregionalen Richtfunkverbindungen Nürnberg - Dresden und Nürnberg - Reichenhain (bei Chemnitz) wurden Mitte 1991 in Betrieb genommen.

Insgesamt 15 Richtfunkstrecken laufen derzeit über den Waldstein oder gehen von dort aus, wie etwa die von der 1987 eingerichteten AMTV-Sendestelle, von der aus auf maximal 23 Fernseh- und 20 Tonrundfunk-Kanälen die auf dem Waldstein empfangenen Programme zu Umsetzern in Konradsreuth, Marktredwitrz, Rehau, Selb, Selbitz, Hof, Münchberg, Arzberg, Schwarzenbach/Saale und Weißenstadt weitergeleitet werden.

Und da ja unterdessen das Satelliten-Zeitalter begonnen hatte, begann im Jahr 1986 das Fernmeldeamt Bayreuth mit dem Aufbau einer zentralen Satelliten-Empfangsstelle am Waldstein. Inzwischen stehen fünf Schüsseln mit Durchmessern bis zu vier Metern auf dem Waldstein, mit denen die Satelliten ECS, DFS-1, DFS-2, TV-Sat2 und Astra empfangen und ihre Programme verteilt werden.

Doch damit nicht genug: Auch die Landespolizei, der Katastrophenschutz, die Bayerische Grenzpolizei, das Bayerische Rote Kreuz und die Amateuerfunker der Telekom benutzen die Funkübertragungsstelle als Relaisstelle für ihre eigenen Funkdienste.

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